die sache mit den grenzen

Grenzen setzen – ein Thema, dass mir immer wieder begegnet, allein heute bereits drei mal…

Ganz oft frage ich mich, warum dieses Thema eigentlich für viele so wichtig ist, mache ich mir selbst doch eigentlich sehr selten bis nie Gedanken darüber. Und trotzdem sind meine Hunde mir gegenüber in aller Regel höflich, rennen mich nicht über den Haufen, wenn ich im Weg stehe, gehen aus dem Weg, wenn ich sie darum bitte und gehen weder über Tische noch über Bänke…

Ganz oft höre ich, als bekennende Fraktion der sogenannten „Wattebäuschchenwerfer“( so werden die Leute genannt, die ausschließlich über positive Motivation trainieren) Sätze wie „ja, aber ich muss meinem Hund ja auch klar machen, was er nicht darf“ – und das meist von Menschen, die mich noch nie haben arbeiten sehen, aber schon das Vorurteil haben, dass beim positiven Training Hunde ja sowieso grundsätzlich alles dürfen…. 

Nein, das dürfen sie nicht! 

Aber warum nun mache ich mir kaum Gedanken darüber, wie ich Grenzen setzen sollte? Die Antwort ist einfach: weil es meist gar nicht so weit kommt, dass ich welche setzen muss! 

Selbstverständlich gibt es auch bei uns Regeln und Grenzen, sonst würde das Zusammenleben nicht funktionieren, weder zwischen Menschen, noch zwischen Menschen und Hunden.

ABER: meine Hunde lernen von vornherein und Stück für Stück, was erlaubt ist. Wir konzentrieren uns viel mehr auf alles, was sie dürfen, anstatt auf das, was sie nicht dürfen oder mal (aus meiner Sicht) falsch machen. 

Natürlich machen sie gerade in der Anfangszeit auch mal etwas „falsch“ – sie wissen ja noch gar nicht, was es hier für Regeln gibt, woher sollten sie auch? 

Möchte ich nun einen Hund, der lernt, dass er mir wirklich vertrauen kann – ist es dann nicht meine Aufgabe, ihm erstmal zu erklären, was ich überhaupt möchte? BEVOR ich ihn für etwas ausschimpfe (oder ihm Grenzen setze), was aus seiner Sicht völlig okay und sinnvoll ist und von dem er noch gar nicht weiß, dass er das vielleicht hier nicht tun soll? Ich finde schon….

Und wenn er das dann weiß, dann kann ich ihm auch verständlich im Zweifel nochmal mitteilen, wenn er etwas tut, was ich eben nicht möchte. 

Doch bevor ich das tue, gibt es noch eine Aufgabe, die ich zu erfüllen habe: ihm erklären, was zum Beispiel „Nein“ überhaupt heißt. Und auch das kann ich einem Hund ohne schreien, schimpfen, oder körperliche Einwirkung wunderbar nett und freundlich so erklären, dass er ganz genau weiß, was das heißt. 

Habe ich das nun alles effektiv gemacht, hat das in der Regel folgende Auswirkungen: mein Hund zeigt meist das in der Situation von mir erwünschte Verhalten, weil er gelernt hat, was er überhaupt tun soll. 

Und wenn er sich dann doch mal vergisst (so what? Passiert das nicht jedem Lebewesen mal?), versteht er sehr gut, wenn ich ihm in dem Moment sage, dass er dieses Verhalten bitte lassen soll – zum Beispiel mit „Nein“ UND der passenden Erinnerung, was er stattdessen tun soll. 

Meiner Meinung nach ist „Nein“ DAS Unwort in der Hundeerziehung und wird viel zu oft unbedacht und oft auch unfair eingesetzt. 

Ja, es kommt bei uns auch vor – aber es wird zum Einen vorher beigebracht und zum Anderen kommt es maximal alle 3-4 Monate mal einmal vor. Kommt es öfter als 1x im Monat vor lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen – denn dann hat mein Hund offensichtlich noch nicht verstanden, was ich von ihm erwarte – und es ist meine Aufgabe, ihm das verständlich zu erklären, damit er weiß, woran er sich überhaupt halten soll…

Schließlich möchte ich, dass mein Hund mir genau so vertrauen und sich auf mich verlassen kann, wie ich ihm vertrauen und mich auf ihn verlassen möchte….