Schnüffelgärten

Nasentier Hund

 

 

 

 

 

 

Der Hund – ein Nasentier 

© Carolin Reger

 

Hunde sind Makrosmatiker (Nasentiere). Damit leben sie in völlig anderen Sinnesdimensionen als wir. Kommen wir in eine neue Umgebung, zum Beispiel wenn wir eingeladen sind und einen Raum voller Gäste betreten, brauchen wir einige Momente, bis wir einen Überblick haben: Welche Gäste sind da? Wen kennen wir? Wohin wollen wir uns als erstes wenden? Wo befindet sich das Buffet? 😉 Wir scannen also alles mit den Augen ab und bleiben dabei meist an einem Ort so lange stehen, bis wir all die Informationen aufgenommen haben. – So geht es natürlich auch unseren Hunden. Zu der visuellen Reizflut kommen nun aber noch die unzähligen und sicherlich mitunter fast überwältigenden Geruchseindrücke hinzu. In diese Welt können wir unseren Hunden nicht folgen. Wir können sie nur respektieren und auch unseren Hunden die erforderliche Zeit gönnen, die sie benötigen, um eine neue, reizintensive Umgebung mit ihren Sinnen zu erfassen. Auch Hunde bleiben zunächst gern stehen, um sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Dann jedoch würden sie am liebsten alles Ungewohnte zusätzlich abschnüffeln. Leider verwehren wir ihnen dieses sehr oft, obwohl es für sie so wichtig ist, um sich in einer neuen Umgebung wohl zu fühlen. Vielleicht denken wir auch einfach gar nicht daran, eben weil unsere Sinneswelt eine andere ist. Wir sind nun einmal „Augentiere“.

Nasenarbeit ist außerdem für die geistige Aktivierung unseres Hundes wichtig. Diese erreichen wir nicht durch noch so lange Spaziergänge, erst recht nicht durch Bällchen werfen etc., sondern nur durch Nasenarbeit, Lernaufgaben, Problemlösungen oder auch Balancieraufgaben. Schon 1971 wurde dies von Anders Hallgren publiziert, aber noch heute müssen viele Hunde auf geistige Aktivierung jenseits einfacher Kommandoeinübung weitgehend verzichten.

Nasenarbeit beginnt schon mit einem ausgiebigen Schnüffelspaziergang. Der Hund darf nach Herzenslust für ihn Interessantes so lange abschnüffeln, bis er zufrieden gestellt ist. – Das kann seinem Menschen ziemliche Geduld abfordern, der sich mühsam zurückhält, dann doch an der Leine zu ruckeln, damit es weiter geht. – Wir teilen sie eben nicht, die Geruchswelt des Hundes.

Damit das Schnüffeln so richtig Spaß macht, sollte der Hund ein bequemesBrustgeschirr tragen. So hat er im wahrsten Sinne des Wortes „den Kopf frei“ und wird sich bei seiner Lieblingsbeschäftigung noch wohler fühlen. Ein Brustgeschirr ermöglicht auch die Verwendung langer Leinen, ohne dass es bei unerwartetem starken Zug des Hundes zu Verletzungsrisiken kommt. Leider sieht man immer wieder Hunde, die im Lauf bis zum Ende ihrer 10 Meter- oder auch Flexileine über ein Halsband abgestoppt werden. Welcher Belastung die empfindliche Hals- und Rückenwirbelsäule dabei ausgesetzt sind, ist leicht vorstellbar.

Copyright: Carolin Reger, Hundeschule nasenreich

Carolin Reger ist PDTE-Mitglied und aktives Mitglied bei Friendship for Dogs.

Mehr zu den Schnüffelgärten finden Sie unter www.schnüffelgärten.de